Aufbau der Engelsburg

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Nach dem Haupteingang erreicht  man einen Korridor, der um den quadratischen Sockel  Hadrianischen Mausoleums führt(1.1). In der nordöstlichen Ecke des Rundgangs gelangt man über einen Hof, an dem Hinrichtungen stattfanden (1.2), zur dreistöckigen Waffenkammer des Papstes Clemens X (1590-1676; 1.3). Im Erdgeschoss befindet sich heute eine Kapelle.

Der ursprüngliche Zugang zum Mausoleum liegt etwa drei Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus und ist durch eine Eisentreppe mit dem heutigen Eingang verbunden. Ein 12 Meter langer Korridor führt vom ursprünglichen Eingang des Mausoleums zu einem quadratischen Raum, dem Atrium(1.4). Die Trauerzüge bei kaiserlichen Begräbnissen begannen hier. Im Atrium  befand sich in einer großen Nische einst eine Statue des Kaisers Hadrian, von der heute nur noch der Kopf im  Vatikanischen Museum erhalten ist. Vom Atrium führt eine drei Meter breite spiralförmige Rampe (1.5) zu der 12 Meter höher gelegenen Halle der Urnen.

Die zweite Ebene des Bauwerks erreicht man über eine Treppe (2.1), die zu einem höheren und besser zu verteidigenden  Zugang zur Festung über dem alten Eingang führt. Die Passage wurde durch eine Zugbrücke (die nun durch eine moderne Eisenbrücke ersetzt ist) kontrolliert und führt als ansteigende Treppe querdurch den Gebäudezylinder bis zum Hof des Engels auf der vierten Ebene. Auf diesem Weg kreuzt der Aufgang die Halle der Urnen (2.9). Hier wurden die Überreste der kaiserlichen Familie bis zur Zeit von Kaiser Caracalla aufbewahrt.

Der Bau der vier Bastionen (2.3, 2.4, 2.6, 2.7), die sich an jeder Ecke der antiken Basis des Mausoleums von Hadrian befinden, wurde von Papst Nikolaus V (1397-1455) zwischen 1447 und 1455 begonnen, um die Anlage an die Weiterentwicklung der Waffentechnik anzupassen. Die Bastionen sind nach den vier Evangelisten Markus, Lukas, Johannes und Matthäus benannt. Ein umlaufender Wehrgang (2.2)  verbindet die vier Bastionen  und diente den Wachsoldaten der Engelsburg als  Ausguck. Der bereits erwähnte Passetto di Borgo (2.5), der die Engelsburg mit dem Vatikan verbindet beginnt in der Bastione San Marco.

Auf der vierten Ebene treffen wir auf  ehemals päpstliche Wohnungen. Der Zugangerfolgt über den Hof des Engels (Cortile dell`Angelo, 4.1). Er wird ereinerseits vom Gebäude der Waffenkammern (4.2) und andererseits von dem Komplexder päpstlichen Wohnräumen begrenzt. In der Mitte des Hofes befindet sich dieStatue des Erzengels Michael. Diese Skulptur, die über zweihundert Jahre aufder höchsten Terrasse blieb, wurde 1747 entfernt, weil sie stark beschädigtwar, und durch die aktuelle Bronzestatue von Peter Anton van Verschaffelt (1752)ersetzt.

Der Hof des Engels  zuzwei miteinander verbundenen Räumen, die Papst Clemens VIII (1536-1605)zugeschrieben werden, aber durch verschiedenen Umbauten im Laufe der Jahrenicht mehr im ursprünglichen Zustand erhalten sind. Von hier aus gelangt manüber den ehemaligen Gerichtssaal (4.4) zum Saal des Apollo (4.5). Der großeGewölbesaal, der zu Zeiten von Papst Nikolaus V (1397-1455) erbaut wurde,bildet die Keimzelle der päpstlichen Wohnungen in der Engelsburg. Zu Beginn des16. Jahrhunderts wurden nach und nach die angrenzenden Räume für den privatenGebrauch der Päpste hinzugefügt. Der Saal ist mit Fresken von Künstlern aus derSchule Raffaels verziert, die Begebenheiten um den Gott Apollo erzählen. Nebendem Saal des Apollo liegt ein  prächtigdekorierter Raum (4.7), der Clemens VII (1478-1534) als Badezimmer für diepäpstliche Wohnung diente. Es war mit einem hoch entwickelten Heizsystemausgestattet, das sich an die antiken römischen Bäder anlehnte. Decke und Wändesind mit Fresken gestaltet die Sphinxe, Delfine, andere Meerestiere, aberauch  heraldische Symbole undmythologische Szenen, die auf das Element Wasser verweisen, zeigen. Die Wändewerden von Nischen unterbrochen, die an den Rändern mit Reihen von natürlichenMuscheln abgeschlossen sind. Das Wasserthema wiederholt sich auch in den viermythologischen Szenen, die oberhalb der Nischen Venus und Liebe alsProtagonisten haben.

Die Feuerstelle, um das Wasser für das Bad zu erhitzen,liegt in einem kleinen Hof (4.8) der unter Papst Leo X (1475-1521) erbautwurde. In dem engen Hof befand sich wahrscheinlich einst ein  Garten, der sich, wie zahlreiche Quellen ausdem 16. Jahrhundert berichten, bis in den angrenzenden Innenhof (4.10) vonAlexander VI (1431-1503) erstreckte. Am östlichen Rand des Innenhofs findensich Türen zu einer Reihe von kleinen Räumen, die in einem Halbkreis angeordnetsind (4.11). Sie  beherbergen eine dieDauerausstellung mit Gemälden, Zeichnungen und Drucken aus der Sammlung desMuseums, die die Entwicklung des Denkmals im Laufe der Jahrhunderte zeigen.

Auf der West- und Ostseite der fünften Ebene liegen zweiRundgänge (5.2 und 5.4) die unter  PapstPius IV (1499-1565) und Papst Alexander VII (1593-1667) errichtet wurden.Zahlreiche Arkaden ermöglichen Ausblicke auf die Stadt Rom. Im Norden stößt manauf die Loggia von Papst Paul III (1534-1549). Sie war der Eingang zu derprivaten Wohnung von Paul III. Die Loggia wird von fünf Bögen begrenzt, die vonSäulen getragen werden. Im Inneren ist das große Tonnengewölbe mitStuckarbeiten und Fresken geschmückt. Zur Repräsentation päpstlicher Macht ließPaul III (1468-1549) den Saal Paolina errichten. In der Mitte desDeckengewölbes befindet sich das Wappen von Paul III, umgeben vonStuckarbeiten, päpstlichen Emblemen und griechischen Schriftrollen Es gibtsechs Fresken, die Episoden aus dem Leben von Alexander dem Großen zeigen. DieWände sind mit Säulen und Nischen bemalt, in denen allegorische Figuren der Kardinaltugendenzu finden sind (Stärke, Gerechtigkeit, Mäßigung, Klugheit). Monochrome Tafeln schildern Episoden ausdem Leben Alexanders des Großen.  In derMitte der Stirnseiten des Saales finden sich Darstellungen des Kaisers Hadrianund des Heiligen Erzengel Michael: des römischen Gründers und des christlicheBeschützers des Ortes.

Zwei weitere sehenswerte Räume der Wohnung von Paul III sindsein Atelier (Saal des Perseus, 5.6) und sein Schlafzimmer (Saal des Amor undder Psyche, 5.7).  Im Saal des Perseusschildert ein Freskenfries die Heldentaten des Perseus nach den Metamorphosenvon Ovid. Die Erzählung beginnt mit dem Abschied des Helden von seiner MutterDanae und endet nach diversen Heldentaten mit der Hochzeit von Perseus undAndromeda. Der Raum beherbergt einen Teil der Sammlungen von Gemälden undMöbeln des Museums. Das Schlafzimmer beeindruckt ebenfalls durch seinenFreskenfries mit Episoden aus der Fabel von Amor und Psyche.

Der westliche Teil der fünften Ebene wird von der aus vierRäumen bestehenden Waffenkammer(5.8) eingenommen. Ausgestellt ist lediglicheine Auswahl der Sammlung von Waffen, Rüstungen und militärischenErinnerungsstücken des Nationalmuseums der Engelsburg, die insgesamt etwasechstausend Stücke umfasst. Die Zeit, aus der die Exponate stammen, reicht vonder Steinzeit bis ins 19.Jahrhundert.