Geschichte

Der Name:        
Die Engelsburg (Castel Sant’Angelo) verdankt ihren heutigen Namen einer Legende. Während einer Pestepidemie, die im Jahr 590 in Rom wütete,betete der amtierende Papst Gregor I. (540-604) zu Gott, die Stadt von der Pest zu befreien. Der Legende nach soll Papst Gregor I. während einer Bittprozession über der Burg der Erzengel Michael erschienen sein. Der Erzengel verkündete das Ende der Pest und steckte das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide. Die Pestepidemie ging danach  tatsächlich zu Ende.  Papst Pius II. (1405-1464) erbaute eine Kapelle an der Stelle, an der der Erzengel Michael erschienen war. Auf der Burg steht bis heute eine weithin sichtbare Bronzestatue des Erzengels Michaels,welche aus dem Jahr 1753 stammt.

Der Ursprung:
Ursprünglich wurde das Castel Sant‘Angelo, die Engelsburg,als Mausoleum errichtet. Die gewaltige Grablege wurde noch zu Lebzeiten des römischen Kaisers Hadrian (76-138) erbaut, der dort seine letzte Ruhestätte fand. Auch einige seiner Nachfolger sind in der Engelsburg bestattet. Die Engelsburg wurde unter der Leitung des Architekten Demetrianus  zwischen 135 und 139 erbaut. Vollendet wurde das Mausoleum  erst im Jahr 193 unter Kaiser Septimus Severus. Das Grabmal hatte die Form eines flachen Zylinders (64 m Durchmesser, 20m hoch) aus Vulkangestein, bedeckt mit römischem Travertin. An der Spitze stand eine Quadriga, die Hadrian als Sonnengott zeigte. In der Mitte des Mausoleums lag die Grabkammer mit den Urnen der Herrscher. Im Mausoleum wurden u. a. beigesetzt: - Kaiser Hadrian und seine Frau Sabina,  Kaiser Marc Aurel, Kaiser Septimus Severus,  Kaiser Marcus Aurelius Antonius Bassianus, genannt Caracalla , der 217 hier bestattet wurde.

Vom kaiserlichenMausoleum zur päpstlichen Fluchtburg:
Im Jahr 280 wurde die Aurelianische Mauer um das Mausoleum fertig gestellt. Mit dem Bau der Mauer, die Kaiser Aurelian (214-275) begann und  Kaiser Probus (232-282) vollendete,wurde das Mausoleum in die Stadtbefestigung einbezogen und in über zehn Jahrhunderten zur stärksten Festung Roms umgebaut. Die Lage der Engelsburg am damals nördlichen Ende Roms garantierte die Kontrolle des Zugangs aus dieser Richtung in die Stadt. Im Früh- und Hochmittelalter konkurrierten die einflussreichen römischen Familien um den Besitz der Burg. Nach Rückkehr des Papsthofes aus dem Exil in Avignon (1376) gelangte sie in den Besitz der Kirche. Im Jahr 1277 ließ Papst Nikolaus III. (1225-1280) die Engelsburg durcheinen 800 Meter langen Wehrgang (Passetto di Borgo)  mit dem Apostolischen Palast im Vatikan verbinden. Der Borgia-Papst Alexander VI. (1431-1503) baute den Wehrgang weiter aus und erweiterte die Engelsburg um ihre vier Eckbastionen, die nach den vier Evangelisten benannt wurden und an den Ecken der Mauern des alten viereckigen Sockels des Mausoleums von Hadrian angebracht sind.In bedrohlichen Zeiten suchten die Päpste immer wieder Schutz in der Engelsburg u.a. Papst Gregor VII (1015-1085) während seiner Auseinandersetzung mit Kaiser Heinrich IV, Papst Clemens VII (1478-1534) während der Plünderung Roms (Sacco diRoma) im Jahre 1527,  Papst Alexander VI,der sich vor den Truppen Karls VIII von Frankreich in Sicherheit brachte,oder  Pius VII (1742-1823), der Schutz vor Napoleon Bonaparte suchte. Die Engelsburg  beherbergte zeitweise das Geheimarchiv und die päpstliche Schatzkammer. Das Castel Sant‘Angelo wurde nicht zuletzt  von der Inquisition als  Gefängnis benutzt. Hier tagten die päpstlichen Inquisitionsgerichte. Die berühmtesten Gefängnisinsassen waren der Astronom und Mathematiker Galileo Galilei, der Bildhauer Benvenuto Cellini und der Priester Giordano Bruno, der als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Galileo Galilei musste an diesem Ort seiner Behauptung abschwören, die Sonne stehe im Mittelpunkt unseres Planetensystems.

Von der Fluchtburg zum Museum:
Um 1870 ging die Engelsburg in den Besitz des italienischen Staates über. Sie diente zunächst der italienischen Armee als Festung und Gefängnis. Diese schlug vor, die Burg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.Seit dem Jahr 1906 ist die Engelsburg ein Museum (Museo Nazionale di Castel Sant'Angelo). Es ist mit seinen Fresken, Gemälden italienischer Künstler,Waffenkammer, Kapelle, Bibliotheken und Schatzkammer sowie dem Weg zur Grabkammer von Kaiser Hadrian sehenswert.

Die Engelsbrücke(Ponte Sant‘Angelo)
Die Engelsbrücke gilt als die schönste der antiken Brücken Roms. Hadrian ließ sie als Zugang über den Tiber zu seinem Mausoleum im Jahre 136 errichten. Die drei mittleren Arkaden stammen sogar noch aus dieser Zeit.Die beiden mächtigen Statuen der Apostel Paulus und Petrus am Eingang   wurden von Papst Clemens VII. Mitte des 16. Jahrhunderts in Auftrag gegeben. Die zehn Engelsfiguren wurden von dem erst 17- jährigen Gian Lorenzo Bernini (1598 - 1680) im Auftrag des Papstes Clemens IX (1600-1669) entworfen und von seinen Schülern gefertigt.